Da durch die Ein-Kind-Politik (Ein-Kind-Politik: Seit 1979 dürfen Paare in China nur ein Kind bekommen, weil die Politiker glauben, so eine Überbevölkerung zu verhindern.) Chinas die meisten Paare nur ein Kind haben, wollen sie ihrem Kind eine bestmögliche Zukunft bieten. Diese Politik hat auch Einfluss auf Erziehung und Bildung. Für die Eltern und ihre Kinder endet dies oft in sehr hohen Kosten, zusätzlichem Lernstress und sogar Bestechung. Wie genau die die Schule in China strukturiert ist, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Kindergarten (3-6 Jahre)
Wusstet ihr schon? Auch in China ist die staatliche Vorschule für jeden gratis. Doch: viele Eltern aus der Mittelschicht wünschen sich, dass ihr Kind einen besseren, elitären und kostenpflichtigen Kindergarten besucht. Diese Kindergärten sind größtenteils privat, was bedeutet, dass es dort kleine Klassen, nur motivierte Lehrer und die beste Ausrüstung gibt. In einem chinesischen Kindergarten lernen auch 5-Jährige schon das komplizierte Schriftzeichensystem. Ihr schätzt es, dass bei uns die erste Stunde um 8 Uhr 30 beginnt? In China geht es schon um 7 Uhr 30 los und es kann bis 18 Uhr gehen. Verrückt oder? Die Direktoren der Privatschulen können die Kosten jederzeit stark erhöhen – was dazu führt, dass nur die reichsten Eltern sich dies leisten können.
Grundschule (6-12 Jahre)
Auch die staatliche Grundschule ist kostenlos. Ihr könnt euch bestimmt denken, dass für ehrgeizige Eltern mit den nötigen finanziellen Mitteln weitere Kosten anfallen: Nicht nur müssen alle Schulbücher bezahlt werden, sondern viele Schulen erwarten „freiwillige“ Spenden von neuen Schülern. Können sich die Eltern diese nicht leisten, müssen ihre Kinder eine Eintrittsprüfung ablegen, die so schwierig ist, dass die Mehrheit sie nicht besteht. Ich frage mich hierbei jedoch: Sollte eine gute Bildung nicht ein Recht für alle Kinder sein? Ist es nicht unfair, dass reiche Eltern sich Rechte erkaufen können?
Grundsätzlich anders als bei uns sind in der Regel Schuluniformen Pflicht. Allerdings müssen die Kinder in ärmeren Gegenden nur ein rotes Halstuch tragen. Auch indoktrinierende Fahnenapelle (Strammstehen vor der chinesischen Flagge im Pausenhof) gibt es häufig; manchmal auch jeden Tag. An einigen Schulen steht nicht nur Propaganda à la China ist die größte Nation an der Tagesordnung. Nein, es gibt auch Einrichtungen, die eher an Militärakademien erinnern.
Du empfindest deinen Tagesablauf manchmal als anstrengend und nervig? Chinesische Schulen sind Ganztagesschulen, die sehr streng getaktet sind. Die Schule dauert in der Regel von 7 Uhr 30 bis 16 Uhr 30; ohne 15-Minuten-Pausen! Die Mittagspause dauert auch nur eine Stunde. Auch für die Kleinsten stehen jeden Tag Hausaufgaben an, Tests und Prüfungen müssen die Kinder ab dem dritten Schuljahr quasi täglich schreiben. So kommt es oft vor, dass sie erst ab 22 Uhr 00 mit Lernen fertig sind. Hier stelle ich mir die berechtigte Frage, ob ein derartiger Leistungsdruck nicht schlecht für die seelische Gesundheit ist?
Mittelschule
Die Mittelschule ist ähnlich aufgebaut wie bei uns: drei Jahre obligatorische Sekundarstufe I und mehrere Jahre Sekundarstufe II; was je nach Schulart und Berufswunsch variieren kann. Allerdings ist die Sekundarstufe II nicht obligatorisch und kostet, wie ihr euch bestimmt schon denken könnt, Geld. Viele wohlhabende Eltern entscheiden sich deshalb für eine „bessere“ Privatschule. Auch die zahlreichen Schulbücher müssen weiterhin bezahlt werden.
Viele Eltern träumen davon, dass es ihr Nachwuchs an eine Elite-Uni schafft. Dafür nehmen sie Vieles in Kauf; zusätzlich zu dem Berg an Hausaufgaben verdonnern sie ihre Kinder zu teuer bezahltem Online-Unterricht, oft auch aus dem englischsprachigen Ausland. Dies soll den Kindern später bestenfalls ein Studium oder sogar einen Job im Ausland ermöglichen. Doch das gefällt der chinesischen Führung nicht besonders: Sie befürchtet, die Kinder würden von Ausländern beeinflusst werden oder sie möchten später nicht mehr in China arbeiten. Trotzdem greifen die Eltern immer öfter auf diese Nachhilfen zurück.

Und jetzt kommt der „Höhepunkt“: Das Gao Kao, was so viel wie „große Prüfung“ bedeutet, ist die Abschlussprüfung der chinesischen Mittelschule. Sie gilt als härteste Abschlussprüfung der Welt. Die Prüfung dauert zwei Tage, während derer im ganzen Land Ausnahmezustand herrscht: Straßen werden gesperrt, die Erwachsenen beginnen später mit ihrer Arbeit, die Polizei fährt verspätete Schüler zu der Prüfung und sogar der Flugverkehr wird eingestellt, damit nichts und niemand die Schüler stört. Auf dem Lehrplan stehen Pflichtprüfungen in Chinesisch, Mathe und Fremdsprachen. Die Wahlfächer sind: Geschichte, Politik, Geographie und Naturwissenschaften. Ihr fragt euch vielleicht: Wer spickt muss für immer auf die Kartoffelfelder? Nein, wer beim Spicken erwischt wird, bekommt „nur“ einen Eintrag ins Strafregister, der niemals gelöscht wird.
Nach dem Gao Kao wird der Alltag angenehmer. Für alle, die es geschafft haben, geht es an eine Uni, viele ziehen zu Hause aus. Vor den Besten steht eine vielversprechende Zukunft. Viele holen jetzt ihre Jugend mit Partys und Beziehungen nach.


