Buergbrennen- eine luxemburgische Tradition

Eine Tradition, bei der das ganze Dorf zusammen kommt.

In ganz Luxemburg findet am Fasten- beziehungsweise Funkensonntag, also am ersten Sonntag nach Fastnacht, das sogenannte Buergbrennen statt. Es handelt sich dabei um einen Brauch aus Luxemburg, Ostbelgien und dem angrenzenden deutschen Grenzgebiet. Dabei wird die sogenannte Buerg angezündet. Die Buerg ist ein Haufen von brennbaren Materialien. Üblicherweise wird Stroh, Holz sowie alte Christbäume verwendet. In Ostbelgien ist es außerdem ein Brauch, Teile der Karnevalswagen symbolisch mitzuverbrennen. Diese Materialien kann das ganze Dorf an dem Tag vor, respektiv an dem Tag vom Buergbrennen selbst vor die Tür legen. Die Jugend- oder lokalen Vereine, dies hängt davon ab, wer für das Buergbrennen verantwortlich ist, kommen die Materialien dann abholen. Später baut der zuständige Verein dann die Buerg auf. Zur Buerg gehört ebenfalls ein Kreuz, welches sie zusammenbauen. Es besteht aus Holz, die mit Stroh umwickelt werden. Später wird es dann in den Haufen der Buerg gesteckt und mit angezündet.

Bei dem Brauch geht es darum, den Winter zu verbrennen oder auch zu vertreiben. Darauf geht auch das Wort Buerg zurück. Es hat absolut gar nichts mit dem heutigen Wort Burg zu tun, sondern kommt aus dem lateinischen und geht auf das Verb ,,comburo“ also verbrennen zurück. Es wird davon ausgegangen, dass der Brauch auf die Neujahrsfeste des antiken Roms zurückgeht. Dort begann das Jahr am 1. März, weshalb so auch das Datum Sinn ergibt.

Die Buerg wird traditionell am Fastensonntag veranstaltet. Inzwischen verlegen viele Dörfer sie jedoch auf samstags, weil dies Familien mit Kindern besser arrangiert, da montags wieder Schule ist und es trotz allem spät wird. Den Jugendvereinen kommt es auch zugute, weil sie so mehr trinken können und nicht mit einem Kater zur Schule müssen.

Der Tradition nach wird nach Einbruch der Dunkelheit ein Fackelzug organisiert, der durch die Dörfer zieht. Schlussendlich geht es dann zur Endstation, der Buerg. Heutzutage findet der Fackelzug aber in vielen Dörfer nicht mehr statt. In diesen geht jeder Dorfbewohner einfach bei Anbruch der Dunkelheit, also 19-20:00h, die Uhrzeit wird von dem verantwortlichen Verein festgelegt, zur Buerg. Diese wird dann meistens von dem Organisator angezündet. Manche Dörfer hegen jedoch die Tradition, dass einer besonderen Person die Ehre gebührt, die Buerg anzuzünden. Dies kann der zuletzt gewordene Vater, das zuletzt verheiratete Paar oder auch eine lokale Persönlichkeit sein. Das Abbrennen der Buerg kann gerne mal mehrere Stunden dauern, dies hängt von dem Wetter, dem Buergmaterial, der Buerggröße und vielem mehr ab.

Während die Dorfbewohner darauf warten, dass die Buerg abbrennt, wird gerne mal etwas getrunken und verzehrt. Viele Dörfer bieten Grillwürste und andere Würste an. Oft gibt es auch Luxemburger Essensspezialitäten, wie Bouneschlupp, Wirschtschen am Bréitche mat Sauerkraut… angeboten. Die Essensausgabe hängt jedoch immer von dem verantwortlichen Verein ab und wechselt von Ort zu Ort. Zum Trinken, werden meistens Softdrinks, Wasser, Bier und ganz wichtig Glühwein angeboten. Manchmal gibt es noch Kaffee, Schokoladenmilch oder auch Kinderpunsch dazu. In verschiedenen Dörfern ist das Essen sowie das Trinken gratis, in anderen muss man für beides oder auch nur für eins von beiden bezahlen.

Nach einer Zeit wird oft auch Musik angemacht, um die Stimmung zu heben. Es ist ein Fest bei dem das ganze Dorf zusammen kommt und davon profitieren viele. Es wird sich viel ausgetauscht. Auch aus dem Grund, dass man Menschen wiedersieht, die man ansonsten kaum sieht. Es wird viel gelacht und getrunken. Es herrscht eine herrliche Atmosphäre bei der Buerg. Oft bleiben viele Dorfbewohner aus diesem Grund auch noch, nachdem die Buerg abgebrannt ist.

Mittags vor dem Buergbrennen, oder am nächsten Tag, wenn die Buerg Samstag stattfindet, zieht der verantwortliche Verein um die Häuser. Die Jugendvereine fahren meistens in einem Traktor mit Anhänger und lauter Musik umher, andere gehen zu Fuß. Es wird dann bei jedem Haus geklingelt und nach Geld gefragt. Jeder darf geben, wie viel er für angemessen findet. Oft denken die Bürger*innen auch darüber nach, wie viel sie am Abend essen werden, respektiv am Tag vorher gegessen haben und geben dementsprechend viel oder wenig. Oft auch etwas mehr, weil sie den Verein unterstützen wollen. Meistens bekommt der/die Bürger*in dann auch noch einen Shot (eng Drëpp) angeboten.

Neben dem Buergbrennen, gibt es aber noch eine weitere luxemburgische Tradition mit Feuer, die um die gleiche Zeit herum stattfindet.

Stréimännchen – eine Tradition an der Mosel

Das Stréimännchen, auf Deutsch Strohmann, ist, wie der Name es schon sagt, eine männliche Symbolfigur aus Stroh. Und so ist das Stréifrächen, eine weibliche Symbolfigur aus Stroh. Das Stréifrächen kommt jedoch nur alle vier Jahre, in jedem Schaltjahr zum Einsatz. Ansonsten ist es stets das Stréimännchen. Es handelt sich dabei um eine Tradition in Remich, einer luxemburgischen Stadt an der Mosel. Diese Tradition findet an Aschermittwoch statt und dient genau wie das Buergbrennen dazu, den Winter zu vertreiben. Man feiert das Ende der Fastenzeit und den Beginn der Fastenzeit. Dabei stellt die Strohpuppe den Winter dar und mit ihrem Verbrennen wird auch der Winter verbrannt.

Man kann die Tradition des Stréimännchens nicht genau zurückverfolgen, jedoch gibt es ähnliche Bräuche wie diesen schon länger. Die Idee, dass man eine Figur im Zusammenhang mit Karneval verbrennt, ist nicht ungewöhnlich. Bereits in den 1820er Jahren wurden in Köln an Aschermittwoch eine Puppe öffentlich verbrannt. Ein Kölner namens Ernst Weyden schrieb, dass es ein alter Fastengebrauch aus Griechenland sei. Man denkt, dass die Tradition ihren Ursprung in einem keltischen Brauch hat. Die ersten schriftlichen Belege des Brauchs in Remich stammen aus dem Jahr 1884.

Alle Jahre wieder an Aschermittwoch setzt sich in Remich um 19:30 den Umzug in Bewegung. Das Stréimännchen, oder wie im Jahr 2024 Stréifrächen, wird durch die Straßen der Ortschaft getragen. Dem Umzug schließt sich das ganze Dorf an. Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene sind dabei. Während dem Umzug wird „Cramignon“, ein Tanzlied aus der Provence gespielt. Wenn der Umzug auf der Grenzbrücke ankommt, wird die Strohpuppe an der Mitte des Geländers befestigt. Wie jedes Jahr hält sie in den Händen eine leere Brieftasche und eine leere Flasche. Dies soll auf die ausgelassene Stimmung und das „unnötig“ ausgegebene Geld aufmerksam machen. Dann wird das Stréimännchen angezündet. Lange bleibt es nicht mehr am Geländer hängen, denn schon nach wenigen Minuten fällt es in die Mosel. Trotzdem ist das Fest noch nicht vorbei. Die Dorfbewohner bleiben, genießen die Atmosphäre und das fröhliche Beisammensein.

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